Die wollen nur spielen!

Die unruhige Nacht hatte ich schon beim ersten Blick nach draußen sofort vergessen, als ich den strahlend blauen Himmel entdeckte.

In den letzten eineinhalb Wochen hatten wir unter, für türkische Verhältnisse, entschieden zu kaltem Wetter gelitten und so zog es mich schnell auf den Balkon, wo Mürsel und ich amüsiert den unterschiedlichsten Botschaften lauschten: İrem hatte Carsten eine Nachricht auf Deutsch geschickt, der wiederum ließ es sich nicht nehmen ihr eine auf Türkisch zu schicken, Mürsel hatte meinem Papa per Videobotschaft im Nachhinein beigepflichtet nicht gegen mich zu spielen, was meinen Papa dazu veranlasste, ihm eine liebe Sprachnachricht zu senden und so verging die erste Zeit dieses wundervollen Tages mit viel Gelächter, Beifallsbekundungen und Freude.

Doch musste ich Mürsel noch nicht einmal streng ermahnen nun für sein bevorstehendes Examen zu lernen, sondern er setzte sich von selbst fleißig an seine Arbeit, während ich zum Mittagessen durch sein Viertel zog.

Ich hatte Üçyol bisher kaum erkundet und ließ mich daher nach einem kurzen Snack beeindruckt von den vielen Gassen, durch sein Viertel treiben.

Nach einiger Zeit hatte ich mich jedoch an den Geschäften, Restaurants, Schulen, Menschen und dem immer noch interessanten Verkehr satt gesehen, da Konak etwas zu bieten hat, was hier nicht zu finden war: die See!

Daher saß ich auch schon eine Station mit der Metro später zufrieden mit der Welt an der Seepromenade und beobachtete lieber von hier aus, was das Land zu bieten hat.

In der milden Sonne hatten sich einige Menschen aller Altersklassen in der dort angelegten Grünanlage eingefunden, um zu picknicken, zu spielen oder sich auszuruhen. Mir fiel auf, dass niemand ein Buch las und erinnerte mich daran, dass ich selbst meine Bücher Zuhause vergessen hatte.

Als ich mich nach einiger Zeit auf die Suche nach Hemden für Papa machte, landete ich aus Versehen auf dem Basar statt im Hochzeitsviertel im Katzenparadies. Frischer Fisch wohin man auch sah! Ich muss zugeben, dass ich doch ein wenig erleichtert war, als ich den richtigen Weg endlich fand- ich finde es immer noch gruselig und der durch die Masse an Fisch wirklich intensive Geruch, schlug mir doch etwas auf den Magen.

Nachdem ich ein Dutzend Geschäfte abgeklappert hatte, war ich immer noch nicht fündig geworden und verschob die Besorgung auf einen der nächsten Tage, da mich Mürsel Zuhause erwartete, um Richtung Bornova zum Dart spielen aufzubrechen.

Mein knurrender Magen, ich hatte auf der Suche vergessen etwas zu essen, ließ das Gesicht meines Gastgebers aufleuchten, hatte er doch einen guten Grund wieder mit Yelda und mir in den Burgerladen zu gehen, den er so mochte.

Also nochmal Burger. Auch kein Problem. Jetzt ist es auch egal.

Im sherwood angekommen flogen sodann die Dartpfeile, mehr oder weniger geschickt, so dass mich spontan zwei Kellner, die ich bereits bei den letzten Besuchen kennengelernt hatte, einluden am nächsten Tag mit ihnen ein paar Runden Dart zu spielen- eine Einladung die ich schlecht ablehnen konnte, wo es mir doch solchen Spaß brachte und Mürsel auch wieder arbeiten musste.

Spät am Abend, aber gut gelaunt, zogen wir nun Richtung Metrostation, trafen auf zwei Kollegen von Mürsel, tranken Tee mit ihnen und vergaßen dabei fast, dass wir eigentlich zur Metro wollten.

Einer von Mürsels Kollegen stellte nach einiger Zeit völlig begeistert fest, dass er in der Lage sei sich mit Ausländern zu unterhalten, was seitens seiner Kollegen zu großem Gelächter führte, war es doch kein Wunder, dass er es konnte. Schließlich sei die Ausländerin in der Lage seine Sprache zu sprechen und nicht er habe wie durch ein Wunder die englische oder deutsche Sprache erlernt.

Um noch einen draufzusetzen, erklärte Mürsel stolz wie gut ich tavla spielen würde, fast so als ob er es mir beigebracht hätte, was zu meiner zweiten Spieleeinladung für den morgigen Tag führte.

Natürlich stand es für mich gar nicht zur Debatte die Einladung auszuschlagen- hatte ich doch schon keine Demonstration anzetteln können. Also wollte ich wenigstens mein Bestes geben, um meinen Standpunkt beim tavla klarzustellen.

Und weil wir schon beim Thema waren, schlug Yelda Zuhause vor gemeinsam eine Runde zu spielen, was auch direkt in die Tat umgesetzt wurde.

Im Anschluss musste ich erneut als Übersetzerin hinhalten, der Tag der Botschaften sollte nicht abreißen, denn das Paar wollte gerne gemeinsam Grüße an Carsten übersenden.

Es war ein Heidenspaß! Mir ist seit dem Erlernen der türkischen Sprache schlagartig klar, warum sich türkische Menschen mit der deutschen Sprache so schwer tun. Den z-Laut gibt es nicht, das ch schon gar nicht, das r wird nicht gerollt und ein j ist hier höchstens ein falsch gemaltes i. Diese und andere Schwierigkeiten machten die Aussprachübungen für uns alle dermaßen komisch, dass es nicht nur fünfzehn Videos brauchte, bis wir eines bis zum Ende gedreht hatten, sondern brachte Mürsel auch zu der Aussage, dass meine türkische Aussprache sogar besser als seine englische sei und die wäre ja sehr wohl einfacher.

Gerührt von diesem Lob und von den lieben Worten, die er in einem zweiten Video fand, verschwand ich viel zu spät für einen konzentrierten Spieletag im Bett und verschickte natürlich noch zuerst die Videos an den von den Beiden bestimmten Empfänger.

10.10.13 10:32

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(22.10.13 12:46)
chillig

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