Ihr seid ja Originale!

Dem Gastbeitrag geschuldet, fiel der allmorgendliche Türkischunterricht aus und es ging direkt Richtung Çeşme, um am Strand zu lesen, das Meer zu genießen und sich der heißen Mittagssonne auszusetzen. Einer der älteren Dauerstrandgäste grüßte uns freundlich, gesellte sich später zu uns und begann das für uns schon gewohnte Gespräch, das in aufrichtiger Entzückung endete, als wir unseren Heimatort benannten, in dem sein Onkel, ein sozialistischer Flüchtling, nun seit dreißig Jahren wohnt und als Frauenarzt arbeitet. Die nette Unterhaltung mündete in der Feststellung, wir seien echte Originale (scheint hier ja auch eine Besonderheit zu sein) und bevor wir uns wieder ins Meer begeben konnten, kamen wir nicht umhin die sympathisch wirkende Männergruppe neben uns zu bemerken. Zum Einen konnte ich das herrlich langsame Türkisch sofort einordnen und zum Anderen bestätigte sich die Annahme, dass es sich hier um Deutsche handelt, in dem Moment, in dem sie in herrlich akzentfreiem Deutsch die Schönheit dieses Ortes anpriesen. Um Carsten der Lösung einer bislang durch mich nicht beantworteten Frage näher zu kommen, quatschte ich die Gruppe also beherzt an, um bei Ihnen den Unterschied zwischen hanım, bayan und kadın zu erfragen, alles Wörter, die mit 'Frau' übersetzt werden und deren richtige Anwendung ich eher intuitiv als bewusst tätige, meinem wissbegierigen Mann jedoch nicht erklären konnte. Die ausgesprochen freundlichen gebürtigen Mönchengladbacher, die derzeit in Dortmund leben, freuten sich über unser Interesse und bemerkten lachend (und wahrlich zurecht), dass ihr Deutsch deutlich besser als ihr Türkisch sei, fingen jedoch an zu recherchieren und den mitgereisten Einheimischen zu fragen. Bei einer interessanten Unterhaltung mit dem bei Johnson&Johnson angestellten Werbekaufmann und dem ebenfalls in der Marketingbranche tätigen jungen Mann, wurden neben Grammatikregeln, auch Reisetipps und -erfahrungen ausgetauscht. Die netteste Geschichte jedoch war der Besuch beim Friseur, der aus der Sicht der Brüder deutlich überteuert war und sie vermuteten aufgrund ihres eindeutig zu erkennenden deutschen Akzents, als Touristen entlarvt worden zu sein, woraufhin der Werbekaufmann seinem jüngeren Bruder anriet, nach einer Aufschlüsselung der Kostenposition zu fragen. Die Antwort des Jüngeren rief bei uns Zustimmung in Form eifrigen Kopfnickens hervor: 'Ich geb dir gleich Kostenposition!' dürfte tatsächlich die Antwort gewesen sein, hätte er danach verlangt. Der anschließende Spaziergang durch den Ort, bot zahlreiche Motive zum Fotografieren und eine zufriedene, wenn auch erschöpfte Rückfahrt bot die Aussicht auf ein bisschen Erholung und ein kurzes Nickerchen, bevor wir Mürsel sein Auto zurückgeben und in Alsancak tantuni zu uns nehmen wollten. In einer der Seitengassen fanden wir zahlreiche, liebevoll eingerichtete Cafés vor, wo wir uns sofort begeistert niederließen und schnell feststellen konnten, wie richtig unser Gefühl war. Der Wein wurde mit kunstvoll geschnittenem Obst und Käse gereicht, das Bier von der einfachen Flasche in einen Krug umgefüllt und durch einen unheimlich fröhlichen Kellner mit einer Herzlichkeit kredenzt, dass wir entgegen unser ursprünglichen Vorstellung bis tief in die Nacht in Alsancak verblieben, bevor wir uns zum ersten Mal von einem Taxifahrer abzocken ließen, der für die auf Erfahrung basierend drei Euro teuren Fahrt, fünf Euro berechnete. Wenn das unser schlimmstes Erlebnis unserer Flitterwochen ist, können wir mehr als zufrieden sein... P.S. Von Carsten für Sanne: Natürlich nicht! Ich breche mir so sehr die Finger, dass lediglich die Begeisterung über die Fähigkeiten deiner Tochter meinen Ehrgeiz geweckt haben und mich die Qualen ertragen lassen. Küssi

4.7.15 12:04

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